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Das neue Werk des
"UNO-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung"
kombiniert genauestens recherchierte Fakten über den tagtäglich
todbringenden Mangel in den 122 Entwicklungsländern mit glasklaren
Analysen der geopolitischen Machenschaften seiner Verursacher in der
so genannten 1. Welt.
Jean Ziegler: begabt mit gleichwohl politisch scharfsichtigem Verstand
und der Fähigkeit, sich vom eher trostlosen Dasein der Mehrheit
auf unserem Planeten noch erschüttern zu lassen, möchte mit
diesem Buch einen Prozess des globalen Aufbegehrens gegen "den
permanenten wirtschaftlichen Krieg" in Gang setzen. "Das Massaker
an Millionen Menschen durch Unterernährung und Hunger ist eine
Absurdität und eine Schande. Wer an Hunger stirbt, stirbt als Opfer
eines Mordes: Und der Mörder trägt einen Namen, er heißt:
Verschuldung."
Jean Ziegler nimmt, wie immer, kein Blatt vor den Mund.
Er erkennt im globalen Finanzsystem von WTO und IWF eine gezielte Erpressung
der 3. Welt, denn während für die armen Länder die Schuldenlast
erdrückend ist, und dort wegen der Tilgungsbürden vor allem
die soziale Infrastruktur ruinös auf der Strecke bleibt, sind diese
Summen im Weltmaßstab der Reichen lediglich peanuts, und es würde
weder die USA, noch Europa finanziell spürbar belasten, wenn es
zu einer Entschuldung der Armen käme. Um so kalkulierter kann die
3. Welt jedoch mit Krediten andauernd gefügig gehalten, dominiert
und schamlos ausgebeutet werden, da sie sich gegen die scheinbar omnipotenten
Geberländer nicht wehren kann.
Ein Übriges an Unterdrückung geschieht durch die elitären
Potentaten vor Ort, die mit westlichem Luxus ausgestatteten korrupten
Herrscher, die an Demokratie "naturgemäß" nicht
interessiert seien, und mit lukrativen Waffenlieferungen der Supermächte
bedient, die eigene Bevölkerung zum Stillhalten zwingen.
"Es kommt nicht darauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu
geben, sondern ihnen weniger zu stehlen." Deshalb ist der Kampf
um wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte unverzichtbar, formale
Demokratie in den Ländern der 3. Welt allein verhindert nicht,
dass Tausende Menschen alljährlich zugrunde gehen.
Auch abseits vom süßen Brei des Infotainments privater Medien
kommen verheerende ökonomische Tatsachen kaum ins Bewusstsein unserer
ach so informierten Bevölkerung: "Die europäische Dumpingpolitik
verwüstet die afrikanischen Agrarwirtschaften."
Es scheint, als wiederholte sich der Autor mit seinen nimmermüden
Anklagen, doch das scheint nur so. Im Gegenteil: angesichts der neokolonialen
Machtstrukturen, dem gar expliziten Interesse z.B. der Nato-Herren,
"die Ideologen des Präventivkriegs", sich notfalls die
Energie-Ressourcen per Waffengewalt verfügbar zu machen, verschärft
sich die globale Schräglage, und so weist Jean Ziegler uns anhand
von konkreten atmosphärisch dichten Reportagen z.B. aus Äthiopien,
Brasilien und Schwarzafrika darauf hin, dass "die Allmacht des
Marktes" keineswegs ein unausweichliches Schicksal ist, das wir
im Westen nur bedauernd hinnehmen dürfen, sondern dass wir Wissenden
mit - verantwortlich sind, und durchaus demokratischen Druck auf unsere
Regierenden ausüben, uns vom weit verbreiteten Zynismus der transnationalen
Konzerne sehr wohl handelnd distanzieren können, auch durch Boykott;
wenn immer mehr öffentliche Güter privatisiert werden, sind
die Menschen der Industrieländer nämlich auch bedroht. Im
rasanten Tempo der Globalisierung geht es darum, im Sinne einer einklagbaren
weltweiten Verteilungsgerechtigkeit der zerstörerischen Ernstfall
- Logik der Multis solidarisch entgegenzutreten. Die alternativen Gipfeltreffen
von Attac und anderen Nicht - Regierungs - Organisationen und ihre internationale
Vernetzung sind ein hoffnungsfroher Anfang.
Jean Ziegler: Das
Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung.
Bertelsmann, München. 320 S.
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