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Al Qaeda - Phantom oder reale Bedrohung? |
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von KARL-HEINZ PEIL *)
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angeblich weltweit agierende Terrornetzwerk Al-Qaeda hat heute die Funktion
des notwendigen Feindbildes zur Rechtfertigung militärischer Aufrüstung
und wird von der Bush-Administration zusammen mit Iran und Nordkorea als
"Achse des Bösen" deklariert. Mit Al Qaeda und einem dadurch
von der Bush-Regierung geprägten Begriff des "Internationalen
Terrorismus" wird eine völlig neue Art von Bedrohung suggeriert,
die auch ein Nachdenken über bisher geächtete Methoden und moralische
Grenzen zur Verhinderung neuer Terroranschläge erfordere. Foltergefängnisse statt Gerichtsverfahren Die Versuche zur Legitimierung von Folter als Mittel im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wird vor allem mit Verweis auf die Anschläge vom 11. September 2001 von der US-Regierung betrieben. Dabei wird ausgeblendet, dass bei den Terroranschlägen von New York, Madrid und London keineswegs die wirkliche Urheberschaft bewiesen ist. Deutlich wird dieses vor allem daran, dass es speziell zu den Anschlägen vom 11.September 2001 praktisch kein Gerichtsurteil gibt, in dem direkt oder indirekt Beteiligte eindeutig verurteilt wurden. Explizit gab es dazu sogar nur in Deutschland zwei Gerichtsverfahren. Im ersten Fall des Marokkaners Mzoudi endete dieses mit einem Freispruch im Revisionsverfahren. Bei dem zweiten Beschuldigten Mottasadeq zieht sich das Verfahren durch die Instanzen. Vor kurzem wurde er auf Veranlassung des Bundesverfassungsgerichtes auf freien Fuss gesetzt. In den USA selbst gibt es nur eine einziges Gerichtsverfahren gegen einen Al-Qaeda-Terroristen. Der Angeklagte Moussaoui wurde im August 2001 verhaftet, das Gerichtsverfahren jedoch erst vor kurzem eröffnet. Er wurde in den Medien als der "20. Hijacker" dargestellt, eine Mitwirkung an den Anschlägen des 11.9. gilt aber weiterhin als sehr fragwürdig. Die FR berichtete am 7.2.2006 in diesem Sinne über den Prozess. Die Merkwürdigkeit dieses Einzelverfahrens wird allerdings von dem FR-Korrespondenten nicht hinterfragt, indem er schreibt: "Anders als Moussaoui droht höherrangigen Al-Qaeda-Mitgliedern in US-Gewahrsam, die bei den Planungen des 11. September die Fäden zogen, nicht die Todesstrafe. Da sie außerhalb der regulären Justiz in Geheimgefängnissen festgehalten werden, kann Washington ihnen nicht den Prozess machen." Daraus ergibt sich offenbar das Fehlen von gerichtsverwertbaren Tatsachen, die eine rechtsstaatliche Verfolgung und Verurteilung von Tätern ermöglichen würde. Eben aus diesem Grunde bedient sich die US-Regierung des Instrumentariums von Internierungslagern und Folter. Deren Existenz ist zwar mit einem Imageschaden für die Bush-Administration verbunden, suggeriert aber gleichzeitig, dass Al-Qaida-Terroristen wegen ihrer extremen Gefährlichkeit mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht beizukommen ist. Anders formuliert: Weil es keine gerichtsverwertbaren Indizien oder gar Beweise gibt, werden Geheimdienstmethoden und gravierende Menschenrechtsverletzungen der Al-Qaeda-Jäger gerechtfertigt. Die Ungeheuerlichkeit dieser Öffentlichkeitsmanipulation hat mittlerweile Orwell'sche Dimensionen. "The Power of Nightmares" Im Oktober 2004 strahlte die BBC London eine dreiteilige Fernsehdokumentation aus unter dem Titel "The Power of Nightmares". Darin wurde vieles von den Al Qaeda zugeschriebenen Taten als nicht existent und als Phantom bezeichnet. Dem BBC-Filmemachers
Curtis gelingt in seiner Dokumentation die historische Aufarbeitung
zweier politischer Strömungen in ihrem Wechselspiel: Die US-amerikanischen
Neo-Konservativen und der radikale Islamismus mit seinen Ursprüngen
im ägyptischen Islamischen Jihad. Leider wurde die Sendung nie
im deutschen Fernsehen gezeigt, trotz der Aktualität bezüglich
Islamismus-Debatte. Weltweit kommentierten mehrere bürgerliche
Tageszeitungen diese Dokumentation, so die Los Angeles Times mit der
Frage: "Is Al-Qaeda just a Bush bogeyman?" In Deutschland
wurde die Dokumentation letztes Jahr nach den Londoner U-Bahn-Anschlägen
von der Frankfurter Rundschau aufgegriffen. In der Überschrift
des ganzseitigen Artikels stellt die FR die Frage: "Ist das
Terrornetzwerk Al-Qaeda ein Hirngespinst westlicher Propaganda?"
Im Resümee des FR-Artikels vom 2.8.2005 heißt es: "Von
Kleinstgruppen oder Einzelpersonen verursachte Gewalttaten sollen nun
Grundlage sein für eine Art präventiver Verfolgung, wie sie
das Strafrecht in seiner Geschichte niemals kannte. Das Terrorgespenst
aber, das als Al Qaeda, wenn man Curtis glauben mag, niemals existiert
hat - es geht in Europa als jene Sorte Geist um, gegen die Gesetze wenig
ausrichten: als Ideologie." Wo sind die
Top-Terroristen? |
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23,12,2005
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| *) Der Autor ist Mitglied der Friedens-
und Zukunftswerkstatt e.V. Dieser Artikel ist eine Vorabveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors, verfaßt am 12.02.2006. Der Artikel erscheint in der nächsten Ausgabe des "FriedensJournal", Nr. 2/2006, die im März herauskommt. Das FriedensJournal wird vom Bundesausschuss Friedensratschlag herausgegeben und erscheint (in der Regel) sechs Mal im Jahr. Redaktionsadresse (auch für Bestellungen und Abos): Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V. c/o Gewerkschaftshaus Frankfurt Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77 60329 Frankfurt a.M. e-mail: Frieden-und-Zukunft@t-online.de) nach oben |
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